Blutzuckermessung vor 1964

Die genaueste Messung zur Feststellung der momentanen Stoffwechsellage stellt die Bestimmung des Blutzuckers dar. Leider ist diese mit der Gewinnung von Blut verbunden und bis heute nicht vermeidbar.

Unmittelbar nach dem Aderlass gelang es 1845 einigen Forschern das Blut so zu verarbeiten, dass sie den Blutzucker nachweisen und seine Höhe errechnen konnten. Die Blutmenge betrug über einen Viertel Liter Blut und wurde aus der Vene entnommen.

Dies beschreibt Ivar Bang in seinem Buch „Der Blutzucker“ aus dem Jahre 1913, erschienen im         J.F. Bergmann Verlag aus Wiesbaden, auf den Seiten 4 und 5.

Um 1900 wird mit einem Colorimeter 50ml Blut benötigt, um die Glukose zu bestimmen. Die anschließende Festlegung des Blutzuckerwertes wurde durch Prismen, Lichtdrehung, Farbvergleiche durch Farbkeile oder Farbscheiben usw., durchgeführt. Herausragend  war die Vorarbeit von Jules Dubosq (1817-1886), französischer Optiker, der zusammen mit Jean-Baptiste Soleil (1778-1878) viele Geräte entwickelte und verbesserte. Colorimeter und Polarimeter wären in der Form so nie entstanden oder viel später brauchbar gewesen.

 

Colorimeter um 1890      Colorimeter

Farbkeil und Farbscheibe

Wilhelm Crecelsius (1898-1979) entwickelte zusammen mit Carl Zeiss (1816-1888) 1928 einen der ersten deutschen Kolorimeter. Dieser war bei der Blutmenge, dem Umfang, der Größe und der Dauer der Messung mit den bis dahin bekannten Messgeräten nicht mehr vergleichbar. Er mutet winzig an im Verhältnis zu den bis dahin bekannten Gerätschaften.

Kolorimeter, Carl Zeiss, 1928 +

1930 überarbeitete Wilhelm Crecelsius den Kolorimeter. Der Messbereich erfasste bis 700mg%. Mit der neuerlich überarbeiteten Baureihe wurde ab 1935 und noch in den 1970er Jahren der Blutzucker nach Crecelsius-Seifert bestimmt. Hier maß man fortan bis 400 mg%.

 

Kolorimeter um 1935

Nachteil dieser optischen Geräte war bei der Auswertung, aus heutiger Sicht, der vorherige beträchtliche Aufwand durch Mischung der Probe mit einer Vielzahl von Chemikalien. Filtrieren, Aufkochen, Abkühlphase, die eventuellen schlechten Lichtverhältnisse bei der Auswertung oder die Übermüdung des Untersuchenden führten oftmals zu ungenauen Ergebnissen.

1950 versucht man zur quantitativen Blutzuckerschätzung den Pikrator zu etablieren. Er arbeitet in einem Schnellverfahren von sieben bis zehn Minuten und lässt, laut Hersteller, eine Blutzuckerschätzung zu. Die benötigte Blutmenge ist 0,1 ccm. Die Blutzuckertabelle zeigt den Messbereich von 150-877 mg% auf. Zur schnellen Erkennung einer Unterzuckerung, wie im beiliegenden Blatt so formuliert, dient er vermutlich nicht besonders.

 

Pikrator

An dieser Stelle wollen wir noch mal farblich darstellen, wie sich die Blutzuckermessung bezüglich der Blutmenge entwickelte.

Tüpfelplatte zur Darstellung von Blutmengen

Um an die benötigte Blutmenge von 100 bis 200 µl, je nach Verfahren zu kommen, waren Stechhilfen von Nöten, die „große“ Abgabemengen ermöglichten.

Stechhilfe um 1935