Blutzuckermessung nach 1964

1964 revolutioniert sich die Blutzuckermessung durch die Einführung von Teststreifen mit dem Namen „Dextrostix“ der USamerikanischen Firma Ames, die visuell ablesbar waren.

Mit einem Messgerät, das selbstständig einen gewonnenen und diesen auf den Teststreifen aufgebrachten Bluttropfen auswerten kann, kommt diese Firma 1969 auf den Markt. Der Reflectance Meter wird von der Firma Bayer in der BRD vertrieben. Bayer wird für die Zukunft der Vertriebspartner bleiben, bis sie selbstständig entwickeln. 1974 folgt die Firma Boehringer Mannheim mit dem orangen Reflomat nach.

Diese Geräte arbeiten noch analog, sie verfügen über ein sehr großes Zeigerfeld und benötigen dauerhaft 220 Volt. Sie wiegen 1,1kg. Der Reflectance Meter kostet 500 US$ und misst in einem Bereich von 10 bis 1000 mg/100ml. Sie benötigen zur Messung 20 µl.

Reflomat und Reflectance Meter

 

Die digitalen Blutzuckermessgeräte kommen etwa zehn Jahre später auf den Markt. An der Stromversorgung und der Blutmenge hat sich noch nichts geändert. Der Messbereich beim Reflocheck liegt bei 20-450mg/dl.

 

Reflocheck und Dextrometer

 

Fortan, durch die weitere Entwicklung, werden sie kleiner und somit handlicher. 1983 kommt der erste Reflolux von Boehringer Mannheim mit vier Alkali-Batterien. Er verarbeitet Blutzuckerwerte von 40-400 mg/dl. Die Teststreifen sind allerdings zusätzlich visuell ablesbar und zeigen hier Werte von 20-800 mg/dl an. Das Gerät wiegt 270gr und kostet 498,–DM.

Reflolux, 1983 +

 

Ab 1987 werden Datenspeicher integriert und man kann anhand von Datensätzen Datum, Uhrzeit, Messergebnisse usw. erfassen. Beim Linken, dem Reflolux II M konnte man zusammen mit dem Camit EL 250 Datensätze, beim Rechten Glucometer M+ mit Miniprinter 300 Datensätze ermitteln.

    Reflolux mit Camit EL  Glucometer M+ mit Miniprinter

 

Die US-amerikanische Firma Lifescan kommt mit diesem Gerät 1989 erstmals auf den deutschen Markt.

 

Glucoscan

 

Nebenbei sei hier erwähnt, dass der Reflolux II im Jahre 1987 stolze 553,50 DM gekostet hat. Erst nach langem hin und her erstatteten die Krankenkassen ggfs. den Betrag. Die Geräte kosteten Anfang der 1990er Jahre zwischen 350,–DM und 500,–DM. Deshalb hatte die Firma Owen Mumford mit dem RentaScan 1990 eine Idee. Sie bot dieses Blutzuckermessgerät für 3,–DM im Monat und einer Laufzeit von zwei Jahren an. Zu der damaligen Zeit eine tolle Alternative.

RentaScan +

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Die neue Generation von Blutzuckermessgeräten benötigt bei Weitem nicht mehr die Blutmenge der Vorläufermodelle.

Während diese in der BRD bald zum diabetischen Alltag werden, wurde in der DDR bis zur Wende 1990, bei den meisten Betroffenen, der Blutzucker einmal im Monat in einer Poliklinik bestimmt.

Fotometer, DDR

 

 

An dieser Stelle zeigen wir noch Anjas erstes Blutzuckermessgerät aus dem Jahre 1994, dass sie damals nach ihrer Erstmanifestation bekam.

Onetouch II

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Leider müssen die Sehbehinderten und Blinden auf ein sprechendes Blutzuckermessgerät bis Mitte der 1990er Jahre warten. Bisher gibt es verschiedene Hersteller, die zusätzliche Sprachausgaben für ihre Blutzuckermessgeräte anbieten, d.h. man benötigte zwei Dinge, zum Einen das Blutzuckermessgerät und zum Anderen das Modul für die Ansage des Blutzuckerwertes.

Dann erscheint „Gluki“ der Firma Caretec aus Wien. Es ist das erste sprechende Blutzuckermessgerät der Welt und benötigt die Teststreifen des Glucometer Elite der Firma Bayer, wie man der Bedienungsanleitung entnehmen kann. Der Messbereich liegt bei 40-500 mg/dl und der Speicher sammelt 10 Werte. Die Auswertung dauert eine Minute. Leider hat sich die Situation für diese Personengruppen nach anfänglich guter Perspektive in den letzten Jahren wieder um einiges verschlechtert.

Gluki, erstes sprechendes BZ-Messgerät +

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Das erste Messgerät mit integrierter Stechhilfe und Teststreifenkasette mit 25 Stück kam aus Finnland. Die Firma Mendor vertrieb den Discreet 2011 für etwa 80,00€.

Mendor, Finnland, 2011 +

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Bei der heutigen Flut an Gerätschaften wollen wir hier noch erwähnen, dass wir ganz sicher das Modell via Foto präsentieren, dass keinen Tropfen Blut zur Blutzuckerbestimmung benötigt.

 

Wir gehen noch auf die Hilfsmittel ein, die man zur Bluttropfengewinnung braucht. Am Anfang glichen die Spitzen noch einem kleinen Schraubenzieher. Das Blut wurde an den Fingerkuppen entnommen.

Ende der 1950er Jahre kommen Blechfedern in die Labore. An die kann ich mich auch als Nichtdiabetiker erinnern, denn sie waren sehr unangenehm.

Stechlanzetten

 

Anfang der 1980er Jahre legt die Firma Owen Mumford diese Stechhilfe mit auswechselbaren Lanzetten in die zuckerkranken Hände. Seither sind Lanzetten feine Nadeln.

 

Autolet

 

Auch diese Hilfsmittel entwickeln sich, wie die Blutzuckermessgeräte, weiter. Die Lanzettennadeln erhalten neue, vermehrte und stärkere Schliffe. Dadurch werden die Einstichkanäle feiner und flacher und die Verletzungen kleiner. Die Gewinnung des Bluttropfens wird somit schmerzarm und ist etwas leichter zu ertragen. Denn die moderne Diabetestherapie erfordert immer noch eine mehrfache, tägliche Kontrolle des Blutzuckerverlaufes.

 

Stechhilfen ab 1982

Durch die Einführung eines stechfreien Blutzuckermessgerätes würden diese Hilfsmittel nicht mehr benötigt. Das wäre, nach unserer Meinung, sehr zu befürworten.

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